II Preussen


1192 erhebt Herzog Friedrich von Schwaben, Sohn des Hohenstaufen Friedrich Barbarossa und jüngerer Bruder Kaiser Heinrichs VI., mit Bewilligung von Kaiser und Papst die „Ritter des Marianischen Ordens des deutschen Hauses Unserer lieben Frau zu Jerusalem“ zum „Orden der deutschen Ritter“. Die Deutschritter bleiben dem staufischen Haus eng verbunden. Der vierte Hochmeister Hermann von Salza ist ein persönlicher Freund Kaiser Friedrichs II. Als Herzog Konrad von Masowien (nördlich des heutigen Warschau gelegen) den Deutschen Orden zum Kampf gegen die heidnischen Prussen zu Hilfe ruft und ihm als Gegengabe das Kulmer Land verspricht, verleiht Kaiser Friedrich den Hochmeistern die Reichsfürstenwürde und 1226 – anlässlich der Besitzbestätigung des Kulmerlandes und des in Preussen zu erwerbenden Gebietes – alle Macht und Berechtigung, wie sie ein Reichsfürst über sein Land ausüben kann. Von 1226 bis 1283 erobern die Deutschritter Preussen und vereinigen sich zudem 1237 mit dem livländischen Schwertbrüderorden, wodurch sie nun auch die Hoheit über die baltischen Länder ausüben. Damit ist ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet geschaffen. Deutsche
Bauern und Bürger besiedeln und kultivieren das Land. In der „Kulmer Handfeste“ vom 28. Dezember 1232 verleiht Hermann von Salza den Städten Thorn und Kulm wichtige Privilegien, welche die Grundlage werden für die Rechtsverhältnisse der Deutschen in Preussen. In das neue Gesetz sind aufgenommen: 1. das Magdeburger Stadtrecht, 2. das flämische Ackerrecht, 3. das schlesische Bergrecht für Goldgruben, 4. das freibergische Bergrecht für Silbergruben. 1309 verlegt der Hochmeister Sigfried von Feuchtwangen seinen Sitz nach der Marienburg in Westpreussen. Das Ordensheer erficht zwar 1370 bei Rudau noch einen glänzenden Sieg über Litauer, Russen und Tartaren, erleidet aber 1410 bei Tannenberg eine gänzliche Niederlage gegen die vereinigten Polen und Litauer. 1412 schliesst Kaiser Sigismund, um den Deutschrittern zu Hilfe zu kommen, einen Schutzvertrag mit dem Orden. Aber das kann nicht verhindern, dass der Orden 1466 im 2. Frieden von Thorn ganz Westpreussen, das Kulmerland und das Ermland an Polen abtreten muss. Ostpreussen bleibt zwar beim Orden, aber als polnisches Lehen. Königsberg wird Ordensresidenz. Dadurch ist Preussen für das Reich vorübergehend verloren. Aber in der Hoffnung, sich auf Deutschland stützen zu können, werden fortan deutsche Fürstensöhne zu Hochmeistern des Ordens gewählt, so 1511 der Markgraf Albrecht von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern. Als Albrecht zur Reformation übertritt, rät ihm Luther, die Ordensregel aufzuheben, Preussen in ein weltliches Herzogtum zu verwandeln und darin eine Dynastie zu gründen. Das geschieht. 1618 führt Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg eine Personalunion der preussischen Herzogswürde mit
der brandenburgischen Kurwürde durch. Der Grosse Kurfürst Friedrich Wilhelm beseitigt 1657 die polnische Lehnsoberhoheit. Sein Sohn krönt sich am 18. Januar 1701 zum preussischen König. Unter Friedrich dem Grossen (König von 1740-1786) erhebt sich Preussen zur europäischen Grossmacht. Er holt 1772 bei der ersten Teilung Polens die verlorenen preussischen Gebiete zurück. Preussen bricht zwar 1806/07 gegen Napoleon zusammen, gehört aber in den Freiheitskriegen von 1813/15 zu den Siegern.